Gifttod eines Hundes an Berliner See

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Berlin: Achtung an alle Hundebesitzer sowie Eltern und Kinder: Giftalarm am Tegeler See in Berlin-Reinickendorf. Nun wird der Verdacht wahr, ein Hund musste an einem Nervengift sterben.

Der wunderschöne Tegeler See in Reinickendorf wirkt wie eine Bilderbuch-Idylle. Jedoch auf dem Gewässergrund bildet sich ein Nervengift und treibt in Algen zum Ufer.

Während eines Spazierganges am 14. Mai zwischen der Neheimer Straße und Greenwich-Promenade tobte sich ein fünf Monate alter Husky an unterschiedlichen Stellen im Wasser aus. Er hat sich an der Ostseite des Sees aufgehalten. Bereits nur kurze Zeit später verendete der Wolfshund mit dem Namen „Lopi“ am Tegeler See in Berlin. Der Hund wurde zur Obduktion geschickt. Bereits 17 Hunde sind seit 2017 zu Gift-Opfer am Tegeler See geworden. Dabei kamen 15 zu Tode.

Jetzt liegt endlich das Obduktionsergebnis der Pathologie des zuständigen Veterinäramtes von Reinickendorf vor. Tatsächlich verendete der Vierbeiner durch Algen im Wasser. Bei dem verstorbenen Hund wurde das Nervengift Anatoxin-A nachgewiesen.

Was ist Anatoxin-A?

Bekannt ist es auch unter dem Begriff „Very Fast Death Factor. Dabei handelt es sich um eine Blaualgenart Tychonema, welche dieses Gift produziert. Diese Spezies hat sich im Tegeler See völlig neu entwickelt. In anderen Berliner Gewässern ist es kaum nachgewiesen.  Es ist eines der am schnellsten wirksamsten Giftstoffen und schädigt in Sekundenbruchteilen die Nervenzellen, unter anderem im Gehirn. Bei oraler Aufnahme wirkt es innerhalb von wenigen Minuten tödlich. Die Symptome  bei einem Hund sind immer gleich: Zittern, Muskelkrämpfe, Lähmungen der Gliedmaßen, Schaum vor dem Mund, Kreislaufversagen und schließlich Tod durch Atemstillstand. Bei Verdacht einer Giftaufnahme Ihres Vierbeiners sollten Sie ihn unverzüglich, so schnell wie möglich zu einem Tierarzt bringen.

Ungefährliche Belastung des Wassers laut Lageso

Schon seit 2017 ist bekannt, dass im Berliner Tegeler See Algen gedeihen, die Nervengift produzieren.

Bei einer Wasserprobe des Landesamtes für Gesundheit ergab zuletzt nur einer sehr geringe erhöhte, ungefährliche Anatoxin-A-Belastung des Seewassers.

Der Stadtrat Maack versucht Erklärungssätze für den Widerspruch zu finden: „Der Anatoxin-A-Wert könnte erheblichen Schwankungen unterliegen, sodass es innerhalb von Stunden zu einem kurzfristigen Anstieg kommen könnte.“

Ebenso ist es aber auch möglich, dass dieses Gift der neuen Algenart „bei Hunden in deutlich geringer Dosis bereits tödlich wirkt.“

Warnung!

Es wird von den Ämtern um Vorsicht gegeben: Lassen Sie Ihre Kinder und Hunde nicht in Algennähe am Uferbereich oder unbeaufsichtigt in die Nähe des Tegeler Sees. Hunde sollten kein Seewasser trinken. Bei Verdacht mit Kontakt des Giftes, sofort einen Arzt aufsuchen!

Wo kommen Blaualgen vor?

Eigentlich sind Blaualgen keine richtigen Algen, sondern Bakterien. Jedoch die meisten der mehr als Tausend unterschiedlichen Arten sind harmlos. Nur einige wenige bilden Gifte.

Die hochgefährlichen Blaualgen-Bakterien mit dem Nervengift sind die Tychonema. Eigentlich kommen diese eher in kälteren Regionen wie Schweden vor. Man findet sie in den kalten, klaren, nährstoffarmen Gewässern Kanadas oder Skandinavien und gilt als spezialisiert auf derartige Gewässer. Zum Beispiel in Europa gibt es auch Nachweise von den Blaualgen am Gardersee, bei dem sich die Gewässerqualität deutlich in den letzten Jahren gebessert hat.

Allerdings im Jahr 2017 traten sie plötzlich auch im Tegeler See auf.

Vermehrung der Blaualgen?

Ähnlich wie richtige Algen, betreiben auch die Blaualgen Fotosynthese. Daher kommt auch ihre blau-grünliche Farbe. Sie zählen zu den ältesten Lebensformen überhaupt.

Ist es so, dass im Sommer die Wassertemperaturen steigen und zusätzlich genügen Nährstoffe darin vorhanden sind, können sich Blaualgen sehr schnell darin vermehren und bilden Kolonien.

Im Berliner Tegeler See gibt es daher bereits seit einigen Jahren eine Anlage, die Phosphat aus dem Wasser filtert und so den See nährstoffarm halten soll. Dadurch kommt es auch nur zu einer eher geringen Menge an Blaualgen in diesem See.

Wie wirkt das gefährliche Blaualgen-Gift bei einem Menschen?

Wenn Menschen mit Blaualgen in Kontakt kommen, kann es zu Reizungen, Bindehautentzündungen oder Ohrenschmerzen führen. Sollte das Wasser verschluckt werden drohen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber oder Atemwegserkrankungen.

Auf jeden Fall sollte so schnell wie möglich der Weg zum Arzt sein.

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