Befristete Stellen in Berlin nehmen zu

Immer mehr befristete Arbeitsverträge in der Hauptstadt

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Berlin zählt im Vergleich zu anderen Bundesländern besonders viele befristete Stellen in Arbeitsverhältnissen. Schätzungen zufolge haben etwa 13 % aller Arbeitnehmer einen befristeten Arbeitsvertrag. Für viele Angestellte bedeutet die Befristung große Zukunftsangst und Unsicherheit. Die Anzahl der Befristungen ist den letzten Jahren vergleichsweise auch insgesamt wieder stärker angestiegen. Doch nicht nur für die Beschäftigten entstehen dadurch Unsicherheiten, Stress und Leistungsdruck. Auch für Arbeitgeber stellen befristete Verhältnisse nicht immer eine gute Lösung dar.

Der Arbeitgeber hat durch befristete Stellen gesteigerte Kosten und einen größeren Zeitaufwand durch das häufige Anlernen neuer Mitarbeiter. Außerdem ist es unter diesen Umständen schwierig, geeignete Fachkräfte zu finden und an sich zu binden. Manche Arbeitgeber geben als Begründung für die Befristung der Arbeitsverträge an, dass die erlaubte Probezeit zu kurz sei, um den Mitarbeiter wirklich kennen zu lernen. Außerdem hängt auch viel von der Auftragslage ab. Denn der Arbeitgeber kann durch eine Befristung flexibel auf die sich ändernden Arbeitsmarktbedingungen reagieren.

Befristete Stellen: Zahl der befristeten Arbeitsverträge nimmt zu

In Deutschland befinden sich insgesamt über 3 Millionen der Arbeitnehmer in befristeten Arbeitsverhältnissen. Das ist ein historischer Höchststand im Vergleich zu den letzten Jahren. Gleichzeitig ist die Befristung für viele auch eine Brücke in die feste Beschäftigung. In den letzten Jahren stiegen die Übernahmechancen der Angestellten in einen festen Arbeitsvertrag wieder stärker an. Viele Arbeitsverhältnisse werden jedoch auch einfach nur so befristet. Im vergangenen Jahr wies jede zweite befristete Stelle keinen sachlichen Grund auf.

Politik will befristete Stellen einschränken

Die CDU und die SPD wollen begrenzen, dass Arbeitgeber ihre Angestellten zukünftig ohne wirklichen Grund befristen können. Besonders gegen die wenig zumutbaren Kettenbefristungen will man vorgehen. Bei diesen Befristungen werden die Arbeitnehmer von einer in die nächste Befristung ohne triftigen Grund geschoben. Die Bundesregierung als Arbeitgeber ist jedoch auch selbst davon betroffen. Denn etwa 7900 Mitarbeiter mit befristeten Arbeitsverträgen arbeiten für die deutsche Regierung und das ohne sachlichen Grund. Die Bundesregierung möchte durchsetzen, dass in Zukunft Betriebe mit mindestens 75 Angestellten nur noch maximal 2,5 % der Beschäftigten ohne sachlichen Grund befristet anstellen dürfen.

Sachliche Gründe, die für eine Befristung sprechen sind zum Beispiel Mutterschutzvertretungen und befristete Projekte. Aber auch Überbrückungsmaßnahmen oder eine vorübergehende Beschäftigung als Saisonkraft, gelte als Grund für eine zulässige Befristung. Zusätzlich möchte man die Höchstdauer der Befristungen von 24 Monate auf 18 Monate reduzieren. Außerdem sollen Arbeitnehmer bei einem Arbeitgeber insgesamt maximal 5 Jahre befristet arbeiten dürfen. Ein Grund dafür sei unter anderem, dass Befristungen von Arbeitnehmern als verlängerte Probezeit durch den Arbeitgeber missbraucht wurden.

Das geplante Vorhaben könnte allerdings auch einige Nachteile mit sich ziehen. Arbeitgeber könnten zum Beispiel auf die vorübergehende Beschäftigung von Zeitarbeitern ausweichen oder künftig insgesamt weniger Personal einstellen. Letztendlich kann dies dann auch dazu führen, dass Arbeitnehmer dann weder in einer befristeten noch unbefristeten Stelle beschäftigt sind. Stattdessen könnten viele dann ganz ohne Arbeit dastehen.

Berlin geht mit gutem Beispiel im öffentlichen Dienst voran

Die meisten befristeten Stellen des öffentlichen Dienstes gibt es in den Finanzämtern und bei der Polizei. Grund dafür sind eine hohe Ausbildungszahl bei wenigen dauerhaften Übernahmen. Bereits im November 2017 forderte das Abgeordnetenhaus den rot-rot-grünen Senat auf, Arbeitsverträge im öffentlichen Dienst des Landes nicht mehr ohne Grund zu befristen. Im Juli 2018 wurde dies dann auch so umgesetzt, die Regelung gilt auch für die Berliner Landesunternehmen wie die Stadtreinigung und Kliniken. In Ausnahmefällen sind befristete Arbeitsverhältnisse in den landeseigenen Betrieben in Berlin jedoch noch möglich.

Ausnahmefälle treten zum Beispiel bei Krisenfällen wie der Flüchtlingskrise ein. Aber auch wenn Zweifel an der fachlichen oder gesundheitlichen Eignung des Angestellten für eine Verbeamtung bestehen. Mit dem Verzicht auf solche befristete Stellen ohne sachlichen Grund soll Berlin auch zukünftig als Arbeitgeber attraktiver werden. Die Regelung stößt allerdings nicht bei allen auf Gegenliebe. Besonders die Berliner Hochschulen tun sich schwer, sich darauf einzulassen und weisen auf ihre Unabhängigkeit vom Berliner Land hin. Die Universitäten und Hochschulen sind zwar eigenständige Arbeitgeber, sie stehen jedoch unter der Aufsicht des Landes.

Es bleibt zu hoffen, dass die Neuregelung der Befristung auch auf andere Betriebe in Berlin und Deutschland ausgeweitet wird. Jedoch können auch hier wieder Nachteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer entstehen. Denn begründete Befristungen sind weiterhin, immer wieder neu und im Prinzip endlos möglich. Deutlich wird hier auf jeden Fall, dass die Beschäftigungsbedingungen für Angestellte generell zu verbessern sind.

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