Abwanderung aus Berlin: Eine Stadt im Wandel

Zwischen Abwanderung und Zuzug in der Hauptstadt

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Berlin schrumpft – und wächst gleichzeitig. Berlin ist mit rund 3,6 Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste und gleichzeitig flächengrößte Stadt Deutschlands. Das Amt für Statistik teilte nun einen neuen Höchststand von 3.611.222 Einwohnern mit. Die Berliner Bevölkerung nahm im Gegensatz zum Vorjahr um etwa 41.000 Menschen zu, dabei ist die stärkste Einwohnerzahl mit etwa 394.816 Einwohnern in Berlin-Pankow zu verzeichnen, doch es herrscht eine hohe Fluktuation. Die Abwanderung aus Berlin in das Umland nimmt zu, während die Zahl der Zuwanderer aus dem Inland rückläufig ist.

Berlin wird immer jünger, viele junge Menschen zieht es in die Großstadt, während die Älteren wegziehen. Dies sei wohl auch dem Geburtenüberschuss zu verdanken, denn die Zahl der Geburten übersteigt unverkennbar die der Todesfälle. Im Durchschnitt ist die Bevölkerung Berlins 42,6 Jahre alt und damit 53 Tage jünger als noch im Vorjahr. 80 % der Zuwanderer sind zwischen 18 und 30 Jahre alt. Junge Menschen, die in ihren Heimatländern nicht die Chance auf die Bildung bekommen, die sie sich wünschen, versuchen in Berlin ihr Glück. Daher ist Berlin besonders für junge Akademiker aus Südeuropa interessant.

Abwanderung aus Berlin und der Zuwachs aus anderen Ländern

Allgemein für Ausländer scheint die Hauptstadt sehr attraktiv zu sein. Denn die Wanderungsgewinne sind hauptsächlich mit dem Zuzug durch Ausländer- und Ausländerinnen zu begründen. Die Ausländerquote steigt seit Jahren an, durch die Flüchtlingswelle erreichte sie einen neuen Höhepunkt. Allerdings wohnen in Berlin momentan weniger Ausländer aus Krisengebieten, sondern hauptsächlich Menschen aus der Türkei und Russland, die meist auch für einen längeren Zeitraum in Berlin bleiben. Den größten Teil der Bevölkerungsgruppe bilden seit vielen Jahren die türkischen Einwanderer mit derzeit etwa 97.700 Menschen, die Polen mit 55.800 Menschen und seit der Flüchtlingskrise leben auch 28.600 Syrier in der Stadt.

Der Ausländeranteil hat sich seit der Wende sogar verdoppelt. Viele Ausländer bleiben nicht dauerhaft und verlassen Berlin nach einigen Jahren wieder. Die Berliner Bevölkerung nahm im Vorjahr somit um 41.000 Menschen zu. Jedoch ging der der Zuzug von Ausländern von 2016 auf 2017 bereits wieder zurück. dies kann mit dem Rückgang der Zuzüge durch Flüchtlinge erklärt werden.

Berlin wächst und wächst weiterhin, laut einer Studie der Stadtentwicklung wird sich das bis 2030 auch nicht mehr ändern. Experten rechnen in den nächsten 14 Jahren mit einer Zuwanderung von 181.000 Menschen, darunter ein Anteil von etwa 13 Prozent Flüchtlingen.

Steigende Mieten als möglicher Grund für die Abwanderung aus Berlin

Gleichzeitig kommt es aber auch zu einer steigen Zahl an Menschen, die Berlin verlassen. Ein deutlicher Trend zeichnet sich ab. Während 1991 fast 83.000 Berliner wegzogen, waren es 2017 bereits 140.000. Kürzlich wurde eine Studie veröffentlicht, in der 30 % der befragten Berliner die Frage, ob sie gern in Berlin leben, verneinten. Viele der nach 1999 Zugezogenen fühlen sich in Berlin nicht wohl. Während Berliner, die bereits seit der Zeit der Wende oder noch länger dort leben, sich mit ihrer Heimat eher identifizieren können.

Neben den beruflichen, familiären oder sozialen Gründen könnte ein Grund für die Abwanderung aus Berlin die zu stark angestiegenen Mieten für Wohnungen und Häuser sein. Immobilien in Berlin werden stetig teurer. Laut dem Berliner Mietspiegel stiegen die Durchschnittsmieten in der Hauptstadt seit 2015 um jährlich 4,6 Prozent an. Nicht jeder kann und will sich das leisten.

Während Berlin früher ein beliebter Zuzugsort war, zieht es viele Menschen nun aber eher nach Leipzig oder Rostock, aufgrund der deutlich überhöhten Mieten in Berlin. In Bayern kann man eine ähnliche Entwicklung beobachten. Ein Umzug aus dem teuren München und ein Zuzug nach Städten wie Regensburg oder Nürnberg findet häufig statt. Mittlerweile müssen in der Hauptstadt auch mehr Wohnungen für die gleiche Anzahl Menschen zur Verfügung gestellt werden, da sich die Zahl der Ein-und Zweipersonenhaushalte in den letzten Jahren stark erhöht hat.

Die Menschheit wird heute älter als noch vor einigen Jahren. Durch den medizinischen Fortschritt und die sehr gute medizinische Versorgung in Deutschland steigt die allgemeine Lebenserwartung an. Auch die Zahl der Scheidungen steigt an, und im Vergleich zu früher werden insgesamt weniger Kinder geboren. Es gibt vergleichsweise mehr Singlehaushalte, die aber nicht allein durch die große Zahl an Auszubildenden zu erklären ist, sondern auch durch eine Vielzahl an alleinstehenden Senioren.

Abwanderung aus Berlin nach Brandenburg und in die alten Bundesländer

Im letzten Jahr zählte man über 80.000 Menschen, die der deutschen Hauptstadt den Rücken kehrten. Durchschnittlich wanderten in den letzten Jahren nur 2,5 % Deutsche ab. Meist fand die Abwanderung in das Brandenburger Land oder in die alten Bundesländer statt. Beliebt sind vor allem Bayern, Baden- Württemberg, Niedersachen und Nordrhein- Westfalen, denn diese Bundesländer bieten ihren Einwohnern attraktive Arbeitsplätze.

Der Zuzug nach Brandenburg lässt sich auch damit erklären, dass man dort vergleichsweise preisgünstig im Grünen wohnen kann, ohne auf das beliebte Großtstadtleben verzichten zu müssen. Dies scheint besonders jungen Familien wichtig zu sein. In den nächsten 5 Jahren ist mit jedoch einem Rückgang der Kaufpreise für Wohnimmobilien in Berlin zu rechnen. Als Folge davon wird wohl auch die Zahl der Abwanderungen aus Berlin sinken. In die neuen Bundesländer zieht es hingegen nur wenige Berliner.

Neue Bundesländer sind kein Ziel für Berliner

Dies könnte mit dem möglichen Scheitern des Projektes „Aufbau Ost“ zusammenhängen. Trotz des raschen Aufholprozesses in den 1990er Jahren kam die Annäherung an das Westniveau seit 2000 zum Stillstand. Das betrifft vor allem den Durchschnittlohn und das Bruttoinlandsprodukt. Im Bereich Städtebau, Verkehrsinfrastruktur und Umweltschutz konnten seit Wendezeiten hingegen große Fortschritte erzielt werden.

In den frühen Neunziger Jahren waren es noch hauptsächlich junge Frauen, die aus Berlin abwanderten und in den Westen zogen. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet und seit 2009 wandern hauptsächlich Männer von den alten Bundesländern in die neuen ab. Ein Männerüberschuss im Osten bleibt aber bestehen. Laut IW-Forscher Wido Geis hat sich der Osten stabilisiert und der Strukturwandel ist vollzogen. Der Osten ist attraktiver geworden. Die neuen Bundesländer haben wirtschaftlich aufgeholt und der starke Abbau der Arbeitsplätze aus den Nachwendejahren ist gestoppt. Ob sich aus diesem Grund mehr Berliner für den Umzug in den Osten entscheiden oder doch lieber in ihrer Stadt bleiben, ist allerdings noch offen.

 

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